14 Herr Schwarz und Frau Weiss

Titel: Herr Schwarz und Frau Weiss, Autor: Manfred Schlüter

Verlag: Boje, ISBN: 3414820498 (bestellen), Alter: Ab 3

Wie bunt müssen Bilderbücher sein? Zumindest sollten sie weder einfältig Wirklichkeit bloß abmalen noch durch überbordendes Decor übertünchen. Gut ist es, wenn mit Wenigem Vieles gelingt, wenn durch einfache Formen und Farben Entscheidendes pointiert zum Ausdruck kommt. Die Geschichte dieses Buchs ist in solcher Weise einfach: Es geht um Herrn Schwarz und Frau Weiß und darum, dass beide wirklich nur schwarz bzw. weiß sind. Der Text fängt diese elementare Idee in ebenso einfachen wie überzeugenden Sätzen ein: „Das ist Herr Schwarz. Und das ist Frau Weiß.“ So beginnt es. Aber dann: „Und es gab Licht. Und Schatten. Und das war gut so!“ Mehr muss man auch zu unserem ureigenen menschlichen Verhältnis zu Welt nicht sagen, das stets von einer Mischung aus Einssein und Eigensein getragen ist. Die Differenzen zur Erfassung dieser Wahrheit fängt das Buch über seine Bilder ein, die tatsächlich ganz schwarz-weiß bleiben, doch gerade damit gelingt es ihnen, vielleicht viel besser als über Farbe, das übliche Schwarz-Weiß-Denken aufzubrechen: Denn Schwarz ist nicht zu sehen ohne Licht, und Weiß wäre nicht zu erkennen ohne Schatten. Die Abwesenheit des jeweils anderen ist also konstitutiv für das jeweils Eigene, das nicht sein kann ohne das Andere seiner selbst. Und die Begegnung findet naturgemäß in den Zwischentönen statt, den dunkleren oder helleren Eindrücken, und sie ereignet sich in der zeitlichen Bewegung der Begegnung, im Wachsen und Vergehen von Hell und Dunkel. Kinder und Erwachsene lernen mit diesem Buch genauer hinzuschauen und die Zwischentöne wahrzunehmen, ohne die das Leben ein langweiliger Farbbrei wäre.