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61. Mio, mein Mio
Titel: Mio, mein Mio,
Autorin: Astrid Lindgren
Verlag: Oetinger, ISBN: 3789140902 (bestellen),
Alter: ab 8
Dieses Buch ist eines der spannendsten und traurigsten Bücher Astrid Lindgrens, und als es 1954 erstmals erschien, war diese Form von Abenteuer in Kinderbüchern noch sehr ungewöhnlich. Heute, in einer Zeit, in der für Kinder der modernen Medienwelt nichts grausam genug sein kann, müsste es eigentlich eines der meistgelesen Bücher dieser Autorin sein. Aber es ist interessant, dass ausgerechnet dieses Buch nicht zu den Bestsellern gehört. Das liegt vielleicht daran, dass Astrid Lindgren so mutig war, die Geschichte ganz konsequent emotional zu erzählen. Obwohl letztlich nie Blut fließt und selbst der Entscheidungskampf mit dem bösen Ritter Kato nicht im Detail geschildert wird, ist die Spannung für viele Leser unerträglich, denn die Gefühle der Figuren zwingen die Leser zur absoluten Empathie. Man kann sich den Tränen und der unendlichen Traurigkeit nicht entziehen, weil das verzweifelte Wiehern der weißen Pferde so intensiv beschrieben wird, dass man das Weinen noch Tage später hören kann, wenn das Fohlen schon gerettet ist. Aber auch die Freude der Tiere ist anrührend, als es, aus der Gefangenschaft befreit, wieder zur Herde zurückkehrt. Man fühlt als Leser die zarten Berührungen der großen Pferde, ihre Vorsicht, ihr Glück. Mio mein Mio, sein Freund Jum-Jum und sein Pferd mit der goldenen Mähne stehen für den unendlichen Mut, den Kinder auch heute gewinnen wollen, um gegen das Böse in dieser Welt zu kämpfen. Astrid Lindgren zeigt kompromisslos ehrlich, wie schwer es ist, sich in dieses Wagnis zu begeben; sie ist deshalb ein hervorragendes Gegengift gegen die Oberflächlichkeit und die Verlogenheit, mit der andere Jugendbücher Kindern die Welt der Abenteuer anbieten.
